„Wir wollen die Möglichkeiten der Digitalisierung dort nutzen, wo sie unsere Mitarbeiter im Arbeitsalltag sinnvoll unterstützen kann“, sagt Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat. „Gerade bei unserem großen Straßennetz kann die digitale Erfassung eine gute Ergänzung zur Erfahrung unserer Bauhofmitarbeiter sein. Die Entscheidung, was anschließend gemacht werden muss, bleibt natürlich weiterhin bei den Menschen.“
Das Prinzip ist erstaunlich einfach. Mitarbeiter des Bauhofs werden die Software abwechselnd bei ihren Streckenkontrollen einsetzen. Die Anwendung befindet sich auf dem Smartphone, das während der Fahrt im Fahrzeug mitläuft. Die Kamera des Handys filmt dabei die Straße.

Die eigentliche Arbeit übernimmt anschließend die KI: Sie analysiert die Aufnahmen und erkennt Auffälligkeiten und Schäden an der Fahrbahn. Diese werden automatisch dokumentiert. Über GPS wird gleichzeitig festgehalten, an welcher Stelle der Schaden entdeckt wurde. Mithilfe der Bildauswertung kann die Software die Schäden zudem klassifizieren und einordnen.
Auch der Datenschutz spielt dabei eine wichtige Rolle. Personen und Fahrzeuge, die auf den Aufnahmen zu sehen sind, werden automatisch verpixelt und damit unkenntlich gemacht. Die Aufnahmen dienen ausschließlich dazu, den Zustand der Straße zu erfassen und Schäden zu dokumentieren.
Die aufgenommenen Daten landen in einem sogenannten Data-Hub beim Softwareanbieter. Dort werden die Informationen ausgewertet und bereits am nächsten Tag der Gemeinde Stemwede als Auswertung zur Verfügung gestellt. So entsteht nach und nach ein digitales Bild über den Zustand des Straßennetzes und darüber, wo Auffälligkeiten festgestellt wurden.

Gerade für Stemwede ist das interessant: Rund 650 Kilometer Straßen umfasst das gemeindliche Straßennetz. Die regelmäßige Kontrolle einer solchen Strecke ist für den Bauhof eine umfangreiche Aufgabe. Die KI soll dabei nicht die Mitarbeiter ersetzen, sondern ihnen zusätzliche Informationen liefern und die Dokumentation erleichtern. Die Entscheidung, ob und wann aus einem erkannten Schaden tatsächlich eine Reparatur wird, bleibt selbstverständlich bei den Verantwortlichen. Die neue Technik liefert dafür jedoch eine zusätzliche und systematisch aufbereitete Datengrundlage. Die Testphase des Systems hat nun begonnen. Im nächsten Jahr soll dann einmal das komplette gemeindliche Straßennetz erfasst werden. Anschließend sind jährlich Kontrollen von jeweils rund 150 Kilometern vorgesehen.
Die Kosten für die Software und den Auswertungsdienst richten sich nach der jährlich erfassten Streckenlänge. Über die vorgesehene Vertragslaufzeit von zehn Jahren ergeben sich durchschnittlich rund 14.000 Euro pro Jahr. „Wir wollen die Chancen der Digitalisierung nutzen, wenn sie unsere Arbeit besser, einfacher oder verlässlicher machen kann. Die KI bei der Streckenkontrolle ist ein gutes Beispiel dafür, wie aus moderner Technik ein ganz praktischer Nutzen für die Gemeinde werden kann.“



