FOTO: Janina Kopp, kieferorthopädisch tätige Zahnärztin der Gemeinschaftspraxis „Damstra Glatzel Hohn & Kopp“ in Levern und Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat hoffen, dass bei der Gesundheitsreform nachjustiert wird. „Die wohnortnahe Kieferorthopädie für Kinder und Jugendliche steht auf dem Spiel.“
Die derzeit auf Bundesebene diskutierte Gesundheitsreform könnte nach Einschätzung von Zahnmedizinerinnen und Zahnmedizinern erhebliche Auswirkungen auf die medizinische Versorgung vor Ort haben. Als besonders kritisch wird der geplante sogenannte Fachzahnarztvorbehalt für kieferorthopädische Behandlungen gesehen. Nach dem aktuellen Gesetzentwurf sollen kieferorthopädische Leistungen künftig nur noch von Zahnärztinnen und Zahnärzten mit der formalen Qualifikation „Fachzahnarzt für Kieferorthopädie“ mit den gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden dürfen. „Was auf den ersten Blick nach einer fachlichen Regelung klingt, hätte gerade für den ländlichen Raum massive Folgen“, erklärt Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat. „Viele kieferorthopädische Behandlungen werden bei uns seit Jahren erfolgreich von erfahrenen Zahnärztinnen und Zahnärzten mit umfangreichen Zusatzqualifikationen durchgeführt. Wenn diese Praxen künftig nicht mehr behandeln dürfen, verlieren wir einen wichtigen Teil unserer medizinischen Versorgung.“
Janina Kopp, kieferorthopädisch tätige Zahnärztin der Gemeinschaftspraxis „Damstra Glatzel Hohn & Kopp“ in Levern, berichtet, dass allein im Altkreis Lübbecke mehrere Praxen betroffen seien. Zahlreiche kieferorthopädische Angebote könnten wegfallen, obwohl dort seit Jahrzehnten Kinder, Jugendliche und Erwachsene behandelt werden. Nach derzeitiger Einschätzung stünde dann lediglich noch in Rahden eine Zweigstelle einer Mindener Fachzahnarztpraxis mit begrenzten Behandlungstagen zur Verfügung. „Das reicht bei Weitem nicht aus, um den tatsächlichen Bedarf unserer Region abzudecken“, betont Janina Kopp. „Die Folgen wären längere Wartezeiten, weitere Fahrtwege und deutlich schlechtere Behandlungsmöglichkeiten für Familien.“ Gerade Kinder und Jugendliche seien auf eine rechtzeitige kieferorthopädische Versorgung angewiesen, so Kopp. Dabei gehe es nicht um kosmetische Wünsche, sondern häufig um medizinisch notwendige Behandlungen, Prävention und die Vermeidung späterer gesundheitlicher Probleme.
Besonders wichtig ist Bürgermeister Abruszat der Hinweis, dass viele der betroffenen Zahnärztinnen und Zahnärzte über langjährige Erfahrung sowie umfangreiche Fort- und Weiterbildungen verfügen. In der Leverner Gemeinschaftspraxis seien mehrere auf Kieferorthopädie spezialisierte Zahnärzte mit jahrzehntelanger Berufserfahrung tätig, die seit rund 40 Jahren Patientinnen und Patienten in der Gemeinde und der Region versorgen würden. „Es kann nicht im Interesse einer Gesundheitsreform sein, funktionierende Strukturen zu schwächen und bewährte Versorgungskapazitäten abzubauen“, so Kai Abruszat. „Gerade im ländlichen Raum sind wir darauf angewiesen, dass medizinische Angebote wohnortnah erhalten bleiben.“
Stemwedes Bürgermeister hat das Thema bereits auf Vorstandebene des Deutschen Städte- und Gemeindebundes platziert und appelliert auch an die Verantwortlichen auf Bundesebene, die Auswirkungen des Gesetzes insbesondere auf den ländlichen Raum nochmals sorgfältig zu prüfen. „Wir brauchen Lösungen, damit Familien mit Kindern und Jugendlichen kieferorthopädische Leistungen auch weiterhin schnell, verlässlich und ohne lange Wege in Anspruch nehmen können“, so Bürgermeister Kai Abruszat abschließend.



