Viele Menschen sitzen und stehen nachts auf einer Wiese bei einer Veranstaltung im Freien. Im Hintergrund erzeugt eine große Lichtinstallation einen tunnelartigen Effekt aus bunten Farben wie Grün, Blau, Lila und Gelb, die sich wie eine Welle durch die Luft ziehen. Nebel oder Rauch verstärkt die leuchtenden Farben. Umgeben ist die Szene von Bäumen, die teilweise angestrahlt werden. Einige Besucher sitzen auf dem Boden oder Decken, andere stehen und beobachten die Lichtshow.

Ohne Fläche kein Festival: Gemeinde Stemwede zum „Hai in den Mai“-Festival

Für Donnerstag ist der Start des diesjährigen Waldfrieden-Festivals „Hai in den Mai“ angekündigt. Ob die Großveranstaltung - so wie in den letzten Jahrzehnten vom Bürgermeister und der Verwaltung stets genehmigt - jedoch überhaupt stattfinden kann, ist nach wie vor unklar. Weil die Gemeindeverwaltung und Bürgermeister Kai Abruszat seit Tagen öffentlich in der Kritik stehen und viele unrichtige oder halbwahre Behauptungen kursieren, äußert sich Gemeinde Stemwede noch einmal zum aktuellen Stand des Verfahrens.

In einer öffentlichen Stellungnahme hat der Veranstalter, die Waldfrieden Events GmbH, durch einen Berliner Anwalt verkünden lassen, dass der Stemweder Bürgermeister bis Montagmittag (27.04.2026, 12 Uhr) eine Entscheidung zu treffen habe, ob das Festival stattfinden kann oder nicht. „Sollte diese ausbleiben, sehen wir uns gezwungen, alle verfügbaren Optionen in Betracht zu ziehen, auch wenn wir ein Verfahren gegen die Gemeinde eigentlich vermeiden wollen würden“, heißt es in der Mitteilung, die dem Bürgermeister Samstagnachmittag zugestellt wurde.

„Ein Bürgermeister lässt sich nicht erpressen. Ein Stemweder schon gar nicht“, reagiert Kai Abruszat auf die anwaltliche Ankündigung und hinterfragt an dieser Stelle die Kommunikationsstrategie des Veranstalters. „Spätestens nach dem erneuten Gespräch zwischen Gemeinde und dem Bürgermeister auf der einen und dem Veranstalter auf der anderen Seite, am Donnerstag in der vergangenen Woche, wissen die Festival-Offiziellen was sie zu tun haben, um eine mögliche, abschließende Genehmigung durch die Gemeinde Stemwede zu erhalten“, erklärt Abruszat. 

Dazu gehöre zum Beispiel, dass bei einigen sicherheitsrelevanten Aspekten nachgearbeitet werden müsse. Vor allem aber müsse der Veranstalter eine naturschutzrechtliche Befreiung bei der Gemeinde Stemwede vorlegen, um überhaupt eine Veranstaltung im Landschaftsschutzgebiet durchführen zu dürfen. Der Kreis Minden-Lübbecke, als allein dafür zuständige Fachbehörde, hat diese Befreiung bekanntlich nicht erteilt.

Kai Abruszat erklärt, dass es trotzdem Wege und Möglichkeiten gibt, eine Genehmigung zu erhalten. „Wer sich in Deutschland durch eine behördliche Entscheidung beschwert fühlt, kann dagegen vorgehen. Das nennt man Rechtsstaat“, so Stemwedes Bürgermeister. Die Möglichkeit einer verwaltungsgerichtlichen Überprüfung der Entscheidung der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises sei auch im Eilverfahren möglich. 

„Den Standpunkt der Gemeinde und den möglichen Rechtsweg haben wir dem Veranstalter in der vergangenen Woche klar und deutlich dargestellt“, so der Verwaltungschef. „Daher kann ich das Vorgehen der Festivalorganisatoren überhaupt nicht nachvollziehen. Anstatt die bis dato dialogorientierte Kommunikation mit meinen Mitarbeitern der Verwaltung fortzusetzen und an einer Lösung zu arbeiten, wird unprofessionell Zeit verplempert und dem Bürgermeister die Pistole auf die Brust gesetzt.“

Die Gemeindeverwaltung in Stemwede sei eine Ermöglichungsbehörde – „weil uns das Thema Kultur wichtig ist“ - und keine Verhinderungsbehörde, so der Bürgermeister. Er habe schon mehrfach betont, dass die Auflagen für große Event immer höher werden. In diesem Fall habe sich der Veranstalter aber selbst unter Druck gesetzt. „Nach jedem Festival findet eine Abschlussbesprechung statt. Nach jedem Festival raten wir dazu alle Anträge bei den entsprechenden Behörden rechtzeitig einzureichen. Der Veranstalter ist sehr spät dran“, so Abruszat.

Dass die Frage um das Festival öffentlich hochkocht und viele in, aber vor allen Dingen außerhalb Stemwedes beziehungsweise der Region bewegt, kann Kai Abruszat sehr gut verstehen. Wobei es Debattenbeiträge in den sozialen Medien oder auch anonyme Mails an die Verwaltung und vor allem auch an seine Person gäbe, die er so nicht hinnehmen könne. „In einigen Fällen dürften die strafbarkeitsgrenzen überschritten sein. Aber ich habe ein dickes Fell“, so Abruszat, der betont, dass die Tür nach wie vor offen ist.

„Wenn ein Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht zu dem Schluss kommt, die Entscheidung der Unteren Naturschutzbehörde sei nicht rechtens, dann wird auch die Gemeinde zügig und immer unter den Gesichtspunkten dessen, was vertretbar und innerhalb der Leitplanken von Recht und Gesetz ist entscheiden.“

Der Bürgermeister könne Onlinepetitionen, Unterschriftenlisten und Bekenntnisse von Fans des Festivals gut nachvollziehen. In den vergangenen Jahren hätte die Gemeindeverwaltung bewiesen, dass durch ihre Entscheidungen Festivals ermöglicht wurden. Die diesjährige Situation sei im Bereich des Naturschutzes eine neue Herausforderung. Dieser müsse sich der Veranstalter stellen, wenn er das Festivalgelände nutzen will.

„Wir als Gemeinde Stemwede halten uns an Recht und Gesetz. Wenn die Voraussetzungen für die Genehmigung des Festivals gegeben sind, wird diese auch erteilt. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, darf die Gemeinde keine Genehmigung erteilen. Verlassen wir diesen Weg, dann verlassen wir die Rechtsstaatlichkeit und das wäre bekanntlich Willkür“, so Kai Abruszat abschließend.