Während der NS-Zeit diente das Schloss als sogenannte Gebietsführerschule, in der Führungskräfte der Hitlerjugend ideologisch geschult und ausgebildet wurden. Dass gerade hier der Blick zurück und zugleich nach vorn gerichtet wurde, war bewusst gewählt. Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat betonte in seiner Ansprache die besondere Bedeutung historischer Orte für die Erinnerungskultur: „Geschichte dort zu erleben, wo sie tatsächlich stattgefunden hat, macht sie greifbarer und eindringlicher.“
Stefan Schuchardt aus der Betriebsleitung der LWL-Maßregelvollzugsklinik machte deutlich, dass sich der Charakter des Veranstaltungsortes grundlegend gewandelt habe. War das Schloss Haldem zur Zeit des Nationalsozialismus ein zentraler Ort der Indoktrination junger Menschen, sei es heute ein aktiver und lebendiger Teil der Gemeinde. „Es ist ein Ort der Therapie und Behandlung, an dem Verantwortung konkret gelebt wird.“ Menschen mit psychischen Erkrankungen seien ausgegrenzt worden und hätten zu den ersten Opfern der Nazis gehört, vor allem jüdische Patienten, so Schuchardt. Der Pflegedirektor der Maßregelvollzugsklinik dankte seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dafür, dass bei der täglichen Arbeit die Unantastbarkeit der Menschenwürde ein zentraler Maßstab des Handelns sei. „Wir arbeiten hier bewusst und konsequent gegen Stigmatisierung.“
Dass Erinnerungskultur keine Selbstverständlichkeit sei und sie immer wieder aktiv gepflegt werden müsse, betonten alle Redner – auch Historiker Dr. Christoph Lorke vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte in Münster. Das erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialismus müsse nicht nur am 27. Januar, dem Gedenktag, stattfinden, sondern auch an 364 weiteren Tagen, so Lorke. Der Historiker beleuchtete in einem Vortrag die Geschichte und den Wandel der Erinnerungskultur nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Lorke zeigte auf, wie sich der gesellschaftliche Umgang mit Schuld, Verantwortung und Gedenken im Laufe der Jahrzehnte verändert hat und dass es wichtiger denn je, ist Hass und Ausgrenzung entgegenzutreten.
„Erinnern darf nicht ritualisiert werden“, unterstrichen die Redner Christoph Lorke, Stefan Schuchardt und Kai Abruszat. Stemwedes Bürgermeister dankte insbesondere auch allen Akteuren der Heimatpflege sowie Schulleiterin Heike Hachmann für deren stetiges Engagement, das Erinnern immer wieder mit besonderen Projekten in den Fokus zu nehmen. „Sie tragen dazu bei, das Erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialismus wachzuhalten und an junge Generationen weiterzugeben“, so Abruszat.
Gemeindeheimatpfleger Tobias Seeger überreichte der Stemweder-Berg-Schule einen Satz Bücher „Nachbarn wie wir“. In diesem Buch finden sich die umfassenden Recherchen der Stemweder Heimatpflege zur NS-Zeit in der heutigen Gemeinde Stemwede.
Bürgermeister Kai Abruszat stellte zudem heraus, dass es 2021 ein richtiger und wichtiger Beschluss der Ratsmitglieder war, regelmäßig eine Gedenkveranstaltung zum 27. Januar durchzuführen und sich auch auf diesem Wege dem Erinnern an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte anzuschließen. Und er erinnerte an die bestehende Partnerschaft mit der französischen Stadt Lardy. „Sie steht für Versöhnung, Verständigung und ein friedliches Miteinander in Europa – Werte, deren Bedeutung wir uns am 27. Januar ebenfalls bewusst werden.“



