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01.08.2017

ZWAR-Kunstbanausen in Kalkriese

Wir sind ZWAR wasserfest, aber wenn „wetter-online“ für Dienstag 24 Stunden Regen mit 95% iger Wahrscheinlichkeit vorhersagt, dann wissen wir etwas besseres: und ZWAR wollen wir statt dessen das „Museum und Park Kalkriese“ bei Bramsche besuchen.

Das Museum ist einfach zu finden, auch wenn wir erst einmal dran vorbeifahren und wenden müssen. Als die ersten Besucher des Tages werden wir herzlich empfangen und gut vorbereitet werden wir losgeschickt zum „ rostigen Mittelpunkt“. Ja, das macht man heute einfach so. Rostige Platten, die nennt man dann Kortenstahl, werden statt Putz an die Wände getackert (wahrscheinlich hatten die alten Germanen das auch noch nicht so mit dem Putzen und viele rostige Römer hat man ja auch gefunden). Also das passt schon. Und weil dann noch ein Haufen Platten übrig waren , hat man daraus noch fix einen Turm gebaut. Das hatte zwei Vorteile. Erstens sieht man diesen Turm jetzt schon von Weitem und denkt: Aha, da muß der Park sein. Und zweitens kann von oben, auf dem Turm, weit in die Landschaft blicken. Im ganzen Rund gibt es Städtenamen: Amsterdam, Bremen, Stemwede, Rom…. Letzteres ist wichtig zur ständigen Kontrolle, dass man früh genug Alarm gibt, wenn wieder Römer aus der Richtung auftauchen.
Aber wir gehen erstmal rein. Und sofort müssen wir uns setzen. „Ja, sie sind ja heute die Ersten und dann hören sie sich das an. Das sind zwei schöne Videos. Ich stelle die ihnen mal an.“
Es ist wirklich interessant, was wir erfahren: Münzfunde aus der Römerzeit waren bei den Bauern in Kalkriese keine Seltenheit. Das kannte man schon. Aber vor 30 Jahren machte ein britischer Hobbyarchäologe mit dem Metalldetektor so viele Funde, dass die Wissenschaftler aufmerksam wurden und mit erfolgreichen Grabungen ( so ungefähr 1 Meter in die Tiefe) begannen. So kamen auch Skelette zu Tage, die alle Zeichen von Gewalteinwirkungen zeigten, viele weitere Münzen, die auf die Jahre 5-7 n. Chr. Datiert werden konnten, aber leider nur wenige Gebrauchsgegenstände.
Der zweite Film ist ein fesselnder Dialog zwischen dem germanischen Cheruskerfürst Arminius und seinem Stiefvater Publius Quinctilius Varus, der Statthalter von Germanien war.
Uns raucht der Kopf. Wenn das so anspruchsvoll weitergeht… Uff.
„Hier durch diesen Gang gehen sie bitte langsam und aufmerksam, dabei sollten sie auf der linken Seite, wo sie die Bäume, also den Wald, sehen, 6 versteckte Germanen finden. Den ersten zeige ich Ihnen.“ Ja, danke. Wir waren sofort gut beschäftigt. Aber auch erfolgreich und vor allen Dingen fasziniert. Das ist ja alles so cool hier!
In den Sälen werden wir immer wieder überrascht. Mit kleinen Zinnfiguren wird ein 10 Meter langer Zug, der Tross der Römer dargestellt, wie er sich durch die Landschaft gewunden haben muss.
Es gibt ein Hologramm , wo ein getöteter Römer von dem heimtückischen Überfall berichtet.
Auf 2 Kugeln stehen sich Varus und Arminius gegenüber. Der Römer wirft dem Germanen vor, dass er alle Annehmlichkeiten des römischen Reiches genossen hat, wie Bildung, römisches Recht und Luxus, und dann trotzdem heimtückisch die Römer in den Hinterhalt und in ihren Tod führte.
Arminius hält dagegen, dass die Germanen nur Sklaven der Römer seien und viele , auch Frauen und Kinder, durch sie den Tod gefunden haben oder in der Sklaverei gelandet sind. Aber nie, nie, niemals als gleichberechtigtes Volk angesehen wurden.
Ja, die gleichen Themen, auch noch 2000 Jahre später. Jeder mache sich seine Meinung.
Wir lernen so viel über Materialien ( Glas, Wolle, Seide, Ziegel, Nahrung), den Aufbau des Staates und die Arbeitsweise der Archäologen.
Für die Niederlage der Römer gibt es viele Gründe. Die besondere Situation der Landschaft zwischen den Hügeln des Wiehengebirges im Süden und dem Moor im Norden. (Dies wird in einem Kugelmodell nachgebaut. Wir können nur staunen über all den Einfallsreichtum der Museumsleute.) Dann Wälle, die die Germanen zur ihrer Verteidigung aufgeschüttet hatten und das herbstlich kalt-nasse Wetter, was die römischen Soldaten schon zermürbt hatte, denn sie waren ja auf dem Rückzug ins Winterlager nach Haltern.
Und was ist mit Hermann ? Die reden immer nur von Arminius. Was soll denn das?
Also erstmal: Hermann ist der häufigste Jungenname in Deutschland des Jahrgangs 1891, danach nimmt die Beliebtheit ständig ab. Woher ich das weiß? Na klar! Namensforschung oder vielleicht Wikipedia?
Und dann ist Arminius einfach die römsiche Form: Hermann heeßt er. (Claire Waldoff)
Die Besucher hier dürfen auch mal Römer sein. Für alle gibt es Kleidung und Geräte zum mitmachen. Man kann bei Römern zu Tisch sitzen oder den störrischen Esel an der Leine ziehen. Unsere Gruppe genießt das Lagerfeuer und du siehst auf dem Foto, wie wohl wir uns fühlen.
Wir hatten wieder einen tollen Tag und planen die nächste Tour. Und ZWAR nach Münster zu den Skulpturen, am 18.08.2017, 9 Uhr, siehe Aktivitätenplan.

 

Kontakt

Antje Pieper »
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