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17.09.2021

Dinkelwaffeln und Weizensilvester

‚Eure Kumpel stehen schon hinter dem K & K Markt‘. So ist es. An unseren gelben Westen werden wir in Stemwede mittlerweile erkannt, wenn wir unsere Radtouren machen. Das heißt auch: ‚Jungs benehmt euch!‘ (natürlich gilt das auch für uns Girls).

Annegret und Volker sind heute unsere Chefs. Sie freuen sich, uns eine fast autofreie Tour zur Bockwindmühle nach Wehe zu bieten und haben beim Heimatverein eine leckere Kaffeetafel für uns bestellt. Anschließend wird der Ortsheimatpfleger noch Interessantes über die Region und die Mühle berichten.

Es ist fast ideales Radelwetter. Kaum Wind, keine Wolken und keine (pralle) Sonne.

Volker hat die Tour bei Komoot gespeichert und bekommt jede Abbiegung von einer freundlichen Dame angesagt. Sie redet viel. Das heißt auch, wir fahren rechts, links, rechts durch die Felder von Wehdem bis Wehe. Kaum einer könnte sich die Strecke merken. Sie ist wunderschön und da wenig Autoverkehr ist, können wir auch immer plaudern.

In Stellge 12a machen wir eine kurze Pause. Nur echte Insider wissen, daß wir uns hier bei Schlumps Backs in Kleinendorf an der B 239 befinden. Die Heimatfreunde haben hier ein zauberhaftes Idyll mit Kinderspielplatz und Bühne rund um ein Backhaus geschaffen, wo gesellige Treffen und Kulturveranstaltungen stattfinden. Oder man einfach mal – so wie wir – eine Pause macht.

Natürlich sehen wir die Mühle dann schon von weitem. Wir können stolz auf unsere 50 Mühlen hier im Kreis Minden-Lübbecke sein. Sie werden mit so viel Liebe und Engagement erhalten. Dabei sind sie nicht nur ein wunderschöner Hingucker, sondern auch die Boten unserer Vergangenheit mit den vielen Traditionen.

Waffelduft liegt in der Luft. (Eigentlich kann man sich wundern, daß nicht noch andere Radler anhalten, um zu fragen: Hmmm, gibt es hier etwas Leckeres auch für mich?)

Heute gibt es Dinkelwaffeln mit Sauerkirschen und Sahne für uns (für Günter wie immer ohne Sahne). Doch ist der Heimatverein Wehe an den Mahl- und Backtagen auch für Butterkuchen und Dinkelbrot bekannt.

Der Kaffee schmeckt wunderbar. Alle freuen sich über eine 2. Portion der köstlichen Waffeln. Nur Günter merkt, daß es mit Sahne einfach besser rutscht.

Während draußen ein paar Tropfen fallen, erzählt uns der Ehrenvorsitzende und Ortsheimatpfleger Heinrich Wiegmann von der unendlichen Arbeit des Vereins an der Mühle, von tollen Ideen der Denkmalbehörde und vom harten Leben inWehe. ‚In Wehe waren die Brote dünn, aber mit dick Butter drauf.‘ Dieser alte Spruch bedeutete, daß es rund um Wehe keinen Ackerbau mit Getreide, sondern nur Milchwirtschaft gab; und die hatte es verdammt schwer, denn bis in den Sommer hinein standen hier die Wiesen unter Wasser, weil die Aue (so wie die Hunte) einfach ein riesiges Flußbett hatte. (Wer letztes Jahr in Espelkamp-Schmalge dabei war, der kann sich noch erinnern.)

Auch machten heftige Wettereinbrüche das harte Leben noch schlimmer. Vor über 100 Jahren gab es mitten im Sommer einen Kälteeinbruch sogar mit Frost. Danach war die ganze Ernte hin und für die Bevölkerung stand ein grausamer Hungerwinter bevor.

Dann wird es ganz besonders spannend, als es ums Getreide geht. Wir haben ja alle keine Ahnung mehr. Klar, für Brötchen und Kuchen braucht man Weizen und für Bier braucht man Gerste. Aber wer weiß schon, daß Triticale eine Kreuzung aus Weizen und Roggen ist und sich durch hohe Erträge und Resistenz gegen Krankheiten auszeichnet? Und irgendwann ist Dinkel aufgetaucht, aber WARUM? Und die Nachfrage steigt beständig, was seinen Grund darin hat, daß beim Verzehr von Dinkel der Blutzucker langsamer ansteigt, was natürlich gut ist für Diabetiker und eigentlich für uns alle.

Das Jahr hatte für die Bauern viele Regeln. Regeln, die auch manchmal exakt eingehalten werden müssen. So heißt der Tag des 12. August ‚Weizen-Silvester‘. Bis dahin muß der Weizen geerntet sein, weil sich danach das Weizenkorn verändert und Eiweiß bildet, wir Menschen aber die Stärke für das Mehl wollen.

Ja, wir hätten noch lange zuhören und Fragen stellen können, aber alles hat einmal ein Ende und bis nach Hause ist es noch weit, wenn auch etwas kürzer. Wieder geht es im Zickzackkurs an Kleinendorf vorbei und als wir den Stemweder Berg sehen, wissen wir, bald sind wir wieder zu Hause.

Wir beiden Dielinger haben 55km auf dem Tacho. Ja, das tat gut. Das schaffen wir.

Vielen Dank an Annegret und Volker für die wunderbare Tour.


Kontakt

Antje Pieper »
Amtshaus
Buchhofstraße 17
32351 Stemwede-Levern

Telefon: +49 5745 78899 931
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